Allgemeines zu GeoHardt
GeoHardt fördert Wärme – aus der Region, für die Region. Die von uns geplanten Erdwärme-Anlagen stärken das regionale Fernwärmenetz im Rhein-Neckar-Gebiet und tragen bedeutend zur zukünftigen Versorgung von mehr als 160.000 Privathaushalten und Unternehmen bei, die daran angeschlossen sind.
Wer ist GeoHardt?
Wir haben die Region Rhein-Neckar gründlich untersucht. Unsere ersten beiden Standorte für Geothermie-Heizwerke planen wir in Mannheim-Rheinau und Schwetzingen. Die Flächen „Franzosenhäusel“ in Mannheim und „Rondellweg“ in Schwetzingen erfüllen alle unsere Anforderungen. Sie liegen außerhalb von Natur- und Wasserschutzgebieten, bieten ideale geologische Voraussetzungen und haben eine optimale Anbindung an das bestehende Fernwärmenetz.
Wo plant GeoHardt?
GeoHardt ist ein Gemeinschaftsunternehmen von EnBW und MVV, die beide zu den führenden Energieversorgern in Deutschland zählen. Gemeinsam bündeln sie ihre technologische und regionale Expertise, um die Wärmeversorgung im Rhein-Neckar-Gebiet unabhängiger zu machen und auf erneuerbare Quellen umzustellen.
MVV setzt seit vielen Jahren auf den Ausbau von erneuerbaren Energien und deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Planung neuer Projekte über den Bau und Betrieb der Anlagen bis hin zur Vermarktung des erzeugten Stroms. Zum Portfolio gehören unter anderem Windenergie an Land sowie die Nutzung von Biomasse, Bioabfällen und Biogas. Ein zentraler Bestandteil ist die umweltfreundliche Fernwärme. MVV arbeitet gezielt daran, die Fernwärme Schritt für Schritt erneuerbarer zu machen, weil sie ein wesentlicher Baustein für eine nachhaltige Wärmeversorgung der Zukunft ist. Investitionen richtet MVV so, dass sich das Unternehmensportfolio der Energieerzeugung in den kommenden Jahren weiter wandelt – noch diverser, noch erneuerbarer.
EnBW ist eines der größten Energieunternehmen in Deutschland und Europa und beschäftigt mehr als 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie versorgt etwa 5,5 Millionen Kundinnen und Kunden mit Strom, Gas, Wasser sowie verschiedenen Energie- und Infrastrukturdienstleistungen. Auch EnBW richtet seine Investitionen auf erneuerbare Formen der Energieerzeugung. Das Unternehmen plant, bis 2030 50 Milliarden Euro zu investieren. Ein großer Teil davon fließt in Projekte zur Umsetzung und Beschleunigung der Energiewende.
Darüber hinaus zählt EnBW zu den größten Fernwärmeversorgern Deutschlands und beliefert Regionen wie Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Rostock und Ulm. EnBW betreibt zudem das erste Geothermie Heizkraftwerk Baden Württembergs. Die Anlage in Bruchsal versorgt die Region seit vielen Jahren zuverlässig und sicher mit thermischer Energie.
Wer steht hinter GeoHardt?
Durch die Entwicklung, den Bau und den Betrieb geothermischer Anlagen sichern wir zuverlässig die langfristige Versorgung mit erneuerbarer Wärme – aus der Region, für die Region. Dabei setzen wir auf das bestehende Fernwärmenetz: Für mehr als 160.000 Haushalte werden Heizung und Warmwasser ohne eigenes Zutun und zusätzliche Kosten zukunftsfähig gemacht.
Erneuerbare Wärme leistet einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wärmewende. Sie hilft dabei, die Rhein-Neckar-Region unabhängiger von Energieimporten zu machen und die Wärme zu ersetzen, die bisher aus dem Großkraftwerk Mannheim stammte. Dadurch sparen wir jedes Jahr tausende Tonnen CO₂ ein. Gleichzeitig steigert Erdwärme die Attraktivität der Region für Unternehmen. Sie versorgt Industrie und Gewerbe zuverlässig mit nachhaltiger Wärme und bietet darüber hinaus eine zusätzliche Chance: Bei einem Überschuss an Wärme ließe sich auch zusätzlich Kälte produzieren. Das könnte in Zukunft ein echter Pluspunkt für viele Unternehmen sein.
Was bedeutet Wärme aus Geothermie für die Region?
Wir haben die Region über viele Monate gründlich und mit modernster Technik auf ihre geologischen Gegebenheiten untersucht. Im Dezember 2025 und April 2026 haben wir zwei Standorte für Geothermie-Heizwerke bekannt gegeben. Die Fläche „Franzosenhäusel“ in Mannheim-Rheinau und der Standort am „Rondellweg“ in Schwetzingen erfüllen alle notwendigen Kriterien und eignen sich gut, um Wärme aus tiefer Geothermie zu fördern.
Nächstes Ziel ist für beide Standorte jeweils die Einreichung des Hauptbetriebsplans, dem zentralen Genehmigungsdokument für den Bohrplatzbau und die geplanten Bohrungen. Nach seiner Genehmigung durch das Bergamt Freiburg, beginnen wir die Einrichtung des Bohrplatzes und nach erfolgreicher Bohrung mit dem Bau des übertägigen Heizwerkes. Anschließend erfolgt die Inbetriebnahme. Mit ihr wird das Heizwerk an das Fernwärmenetz angeschlossen.
Parallel prüfen wir das Rhein-Neckar-Gebiet auf weitere Standorte, die sich gut eignen, um erneuerbare Wärme aus tiefer Geothermie zu fördern.
Alle Projektphasen stimmen wir im Einzelnen mit den zuständigen Fach- und Genehmigungsbehörden ab.
In welcher Projektphase befindet sich GeoHardt?
Die Umsetzung erfolgt gemeinsam und gleichberechtigt in einem Joint Venture.
Die EnBW bringt ihr langjähriges und erfolgreich angewandtes Know-how im Bereich Geologie/Geothermie ein. Zum Portfolio des Unternehmens gehört auch Baden-Württembergs erstes Geothermie-Heizkraftwerk. Die Anlage in Bruchsal ist seit 2009 in Betrieb und liefert zuverlässig erneuerbare Wärme. MVV hat umfassendes Wissen im Bau und Betrieb von Wärmenetzen und Wärmeerzeugungsanlagen und ist unter anderem Betreiber des Fernwärmenetzes Mannheim.
Wie gestalten sich die Finanzierung und Zusammenarbeit zwischen den Partnern?
Ja, MVV und EnBW verfügen über jahrelange Erfahrung im Bereich Geothermie.
In Baden-Württemberg und auch in der Region Rhein-Neckar gibt es eine Vielzahl an Thermalbädern, bei denen in Tiefen von rund 1.000 m Thermalwässer gefördert werden. Das miramar in Weinheim ist eine von MVV konzipierte und betriebene Anlage.
In Bruchsal betreibt EnBW seit 2009 im Einklang mit der Kommune und der Öffentlichkeit eine geothermische Anlage. Aus 2.500 m Tiefe wird Energie zur Stromerzeugung sowie zur Wärmeversorgung einer nahe gelegenen Polizeikaserne gewonnen. In den nächsten Jahren finden am Standort auch Analysen und Versuche zur Lithiumgewinnung aus Sole statt.
Die EnBW war Mitbetreiberin des Geothermie-Kraftwerkes „Soultz-sous-Forêts" im Elsass und verfügt dadurch über fundiertes Know-how, das sie bei der Entwicklung und Realisierung zukünftiger Geothermie-Projekte gezielt einsetzt.
Verfügen die Partner bereits über Erfahrung in der Geothermie?
GeoHardt setzt auf das sichere und umweltfreundliche hydrothermale Verfahren. Dieses nutzt bereits bestehende natürliche Thermalwasservorkommen in 2.500 bis 4.000 m Tiefe und kommt ohne zusätzliche Wasserzufuhr aus. Für dieses Verfahren sind keine Schäden bekannt.
Abgrenzung zu petrothermalen Verfahren
Probleme traten vor allem bei Projekten auf, die das petrothermale Verfahren (auch „Hot-Dry-Rock") genutzt haben. Dabei wird Wasser, häufig unter Zugabe von Zusatzstoffen, unter hohem Druck in Gesteinsschichten gepresst, um es dort zu erwärmen. Dieses Vorgehen unterscheidet sich grundlegend vom hydrothermalen Verfahren, das ausschließlich natürlich vorhandenes Tiefenwasser nutzt und das Gestein nicht verändert.
Abgrenzung zum Fall Staufen (oberflächennahe Geothermie)
Ein bekannter Schadensfall ereignete sich im nahe gelegenen Staufen im Zusammenhang mit oberflächennaher Geothermie. Dort sollten Erdsonden in rund 130 Metern Tiefe installiert werden. Die Bohrungen waren nicht dauerhaft verrohrt, sondern wurden nach dem Einbringen von Kunststoffschläuchen mit einfachem Zement verfüllt. Durch eine undichte Verfüllung entstand eine Verbindung zwischen tieferem Grundwasser und einer höherliegenden Schicht aus Anhydrit-haltigem Gipskeuper. Anhydrit dehnt sich bei Kontakt mit Wasser stark aus, da er sich in Gips umwandelt – diese Volumenzunahme führte in Staufen zu Hebungen.
Wie unterscheidet sich GeoHardt von Projekten, bei denen es zu Schwierigkeiten gekommen ist?
Fragen zum Thema Geothermie
Geothermie bezeichnet sowohl Erdwärme selbst als auch ihre Nutzung.
Im Erdmantel herrschen Temperaturen von 100 bis zu 3.500 °C. Sie werden größtenteils durch natürliche Zerfallsprozesse im Erdinneren hervorgerufen. An der Erdoberfläche herrschen hingegen Temperaturen von durchschnittlich 14 °C. Dies bedingt das kontinuierliche Nachfließen eines Wärmestroms in Richtung Erdoberfläche.
In vulkanisch nicht aktiven Regionen nimmt die Temperatur im Erdreich im Schnitt um 3 °C pro 100 m Tiefe zu. Geht man davon aus, dass die Temperatur ab 10 m Tiefe ganzjährig rund 10 °C beträgt, ergeben sich in 3.500 m Tiefe bereits Temperaturen von 115 °C.
An geothermisch besonders günstigen Standorten wie im Oberrheingraben und damit auch dem Rhein-Neckar-Gebiet nimmt die Temperatur sogar mehr als 4 °C pro 100 m Tiefe zu. Daher werden in rund 3.500 m Tiefe schon Temperaturen von über 160 °C erreicht.
Diese Erdwärme, Geothermie, kann zum Heizen, Kühlen und zur Stromerzeugung eingesetzt werden.
Was ist Geothermie?
Geothermie lässt sich grundsätzlich in zwei Nutzungsformen einteilen: oberflächennahe und tiefe Geothermie. Diese Nutzungsformen können in die nachfolgend beschriebenen Techniken gegliedert werden.
Oberflächennahe Geothermie
- Oberflächennahe Wasserreservoire
- Typischerweise Temperaturen von 8 – 15°C
- Bei dieser Form der Erdwärmenutzung werden oberflächennahe Wasserströme über Brunnenanlagen in Tiefen von wenigen Metern genutzt. Auf diese Weise kann dem Wasser über Wärmeübertrager Wärme entzogen werden, die anschließend mittels Wärmepumpen auf ein höheres Temperaturniveau gebracht wird. Somit ist eine Nutzung der Wärme in Gebäuden möglich.
- Wärmetauscher im Erdreich / Erdsonden
- Typischerweise Temperaturen von 8 – 12°C
- Über oberflächennahe Rohrleitungen bzw. Bohrungen von i.d.R. weniger als 100 m wird dem angrenzenden Erdreich Wärme entzogen und die Wärmeenergie mit einer Wärmepumpe auf die benötigten Temperaturen zur Wärmeversorgung von Gebäuden gebracht. Eine direkte Nutzung der Temperaturen des Untergrundes ist i.d.R. nur im Sommer zur Kühlung von Gebäuden möglich.
Tiefe Geothermie
- Hydrothermale Geothermie / natürliche Wasserreservoire
- Typischerweise Temperaturen von 120 – 160°C
- In hydrothermalen geothermischen Systemen werden bestehende Wasservorkommen über mindestens zwei Tiefbohrungen in einem geschlossenen Kreislauf geführt. D.h. über eine sogenannte Förderbohrung wird heißes Tiefenwasser an die Erdoberfläche befördert und mittels Wärmetauschern zur Energiegewinnung genutzt. Ab Thermalwassertemperaturen von über 120 °C ist neben einer Wärmenutzung auch eine Stromerzeugung möglich. Das abgekühlte Tiefenwasser wird über eine zweite Bohrung, die Injektionsbohrung, wieder in das Reservoir abgegeben.
- Petrothermale Geothermie / künstliche Wasserreservoire
- Typischerweise Temperaturen von 150 – 200 °C
- Petrothermale Systeme sind unabhängig von Wasseraufkommen im Erdinneren. Es werden Bohrungen in mehr als 5.000 Metern Tiefe vorgenommen, in die kaltes Wasser gepresst wird. Dieses erwärmt sich durch das heiße, umliegende Gestein, sodass die Wärmeenergie in einer übertägigen Anlage zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden kann.
Welche Formen von Geothermie gibt es?
Wärme aus tiefer Geothermie steht an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr, umweltfreundlich zur Verfügung. Sie bietet eine unabhängige Wärmeversorgung und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Sie ist zudem besonders flächeneffizient: Eine Anlage von der Größe eines mittleren Supermarkts reicht bereits aus, um Tausende Haushalte zuverlässig mit Wärme zu versorgen.
Erdwärme macht die Region außerdem attraktiv für Unternehmen. Sie versorgt Industrie und Gewerbe nicht nur mit erneuerbarer Wärme, sondern birgt noch eine weitere Chance: Bei einem Überschuss an Wärme ließe sich auch zusätzlich Kälte produzieren, von welcher Unternehmen in Zukunft zusätzlich profitieren könnten.
Was sind Vorteile von Geothermie?
Angesichts der riesigen und sich stetig erneuernden Wärme im tiefen Gestein kann das Temperaturniveau des geförderten Thermalwassers konstant bei 130 °C gehalten werden. Wir nutzen damit eine erneuerbare Energiequelle.
Für eine Anlage benötigen wir lediglich zwei Bohrungen: Eine Bohrung in das bereits bestehende Wasserreservoir, durch die das heiße Wasser mit oder ohne Pumpe gefördert wird. An der Erdoberfläche wird die Energie in einem einfachen Wärmeübertrager übergeben an das Fernwärmenetz, dabei kühlt sich das Thermalwasser ab. Das Thermalwasser hat nach der Wärmeabgabe noch eine Temperatur von ca. 60 °C.
Das Thermalwasser wird über eine sogenannte Injektionsbohrung wieder in das Reservoir abgegeben. Dort läuft das abgekühlte Wasser, wenn ein entsprechendes hydraulisches Regime vorherrscht, teilweise wieder von der Injektions- zur Produktionsbohrung. Es wärmt sich dabei wieder auf und kommt wieder nach oben. Ein anderer Teil des reinjizierten Wassers verteilt sich weiträumig um die Bohrungen herum und wärmt sich dort wieder auf.
Wieso gilt Geothermie als erneuerbare Energie?
Ein Geothermie Heizwerk funktioniert, indem natürlich heißes Tiefenwasser über eine Förderbohrung an die Erdoberfläche gepumpt und dort in einem geschlossenen Kreislauf durch das Heizwerk geführt wird. Im Heizwerk gibt das Thermalwasser seine Wärme über einen Wärmetauscher an das Fernwärmenetz ab, ohne dass sich die beiden Wasserkreisläufe vermischen. Das abgekühlte Tiefenwasser wird anschließend über eine zweite Bohrung wieder zurück in den Untergrund geleitet, wo es sich verteilt und auf seinem Weg durch heißes Gestein erneut erwärmt. Dieser Kreislauf kann dauerhaft betrieben werden, da die Wärme im Erdinneren nach menschlichen Maßstäben praktisch unerschöpflich ist und so kontinuierlich erneuerbare Wärme für Gebäude bereitstellt.
Wie funktioniert ein Geothermie-Heizwerk?
In Deutschland sind vor allem drei Regionen besonders gut für die Nutzung von tiefer Geothermie geeignet:
- Das Molassebecken in Süddeutschland
- Das Norddeutsche Becken
- Der Oberrheingraben
Der Oberrheingraben ist ein etwa 300 km langes und bis zu 40 km breites Tiefland am Mittellauf des Rheins zwischen den Städten Basel und Frankfurt am Main.
Im Oberrheingraben sind die Bedingungen für den Einsatz der tiefen Geothermie besonders gut: Hier sind die Temperaturen in der Tiefe im Vergleich zu den anderen geeigneten Regionen bei weitem die Höchsten. Messungen zeigen, dass die Temperatur in 3.500 m Tiefe ca. 160 °C beträgt. Damit besitzt der Großraum Rhein-Neckar hohes geothermisches Potenzial. GeoHardt möchte diesen Standortvorteil für die Region nutzen.
Der Grund hierfür ist die Zugehörigkeit des Oberrheintals zu einem Bruchsystem. Seit dem Eozän vor etwa 47 Millionen Jahren senkt sich hier das Grabeninnere relativ zu den Gebieten, die westlich und östlich dazu liegen. Die Gesteinsschichten im Oberrheingraben sind stark zerbrochen und teilweise auch porös. Dort kann sich Wasser ansammeln, das von einem ungewöhnlich hohen Wärmefluss aus der Tiefe aufgeheizt wird.
Welche Regionen sind für Geothermie geeignet?
Das Lizenzgebiet „Hardt“ befindet sich in der Rhein-Neckar-Region und umfasst 270 km² im Viereck zwischen Mannheim, Heidelberg, Speyer und Walldorf. Das Gebiet wurde in der gesamten Fläche auf sein geothermisches Potential zur Wärmeversorgung untersucht.
Anhand von bestehenden und neu gewonnen Datensätzen wurde in einer kombinierten Analyse das geothermische Potential für Wärmeversorgungsanlagen bestimmt. An besonders geeigneten Standorten folgen Detailuntersuchungen. Die Auswahl dieser Standorte orientiert sich dabei natürlich nicht nur an geologischen Vorgaben. Entscheidend ist beispielsweise auch die Lage zu Schutzgebieten oder die Wärmeabnahmestruktur vor Ort.
Wo wird Erdwärme aufgesucht?
GeoHardt hat die Region gründlich und mit modernster Technik untersucht. Wir haben hochwertige Daten aus älteren Untersuchungen mit neuen, umfangreichen Daten aus weiteren Gelände- und Laboruntersuchungen angereichert. Die neuen Untersuchungen haben unser bereits gutes Verständnis von der Region Rhein-Neckar und ihren geologischen Aufbau im Detail geschärft. Wir verfügen jetzt über eine sehr präzise, dreidimensionale „Röntgenaufnahme“ der Erde unter uns.
Hat GeoHardt Untersuchungen durchgeführt?
Fragen zu Sicherheit und Umwelt
Der Schutz von Mensch und Umwelt hat oberste Priorität. Dazu soll nicht nur die Bereitstellung erneuerbarer Wärme aus der Geothermie einen Beitrag leisten. Die Planungen für das Projekt sollen zudem von Anfang an bestmöglich Natur- und Artenschutzaspekte berücksichtigen. Um das zu gewährleisten, sind wir kontinuierlich mit Umweltplaner*innen im Austausch. Darüber hinaus haben wir einen Fachbeirat gegründet, in dem verschiedene Umweltverbände beteiligt sind. So können Herausforderungen frühzeitig erkannt und gemeinsam gelöst werden.
Welche Rolle spielt der Umweltschutz in der Projektentwicklung?
Bei GeoHardt nutzen wir ein besonders sicheres und umweltfreundliches Verfahren der Tiefengeothermie: das hydrothermale Verfahren. Dabei werden natürlich vorhandene Heißwasservorkommen über mindestens zwei Tiefbohrungen in einem geschlossenen Kreislauf geführt. Das Wasser bleibt dabei vollständig im System und kommt zu keinem Zeitpunkt mit dem umliegenden Erdreich oder dem Grundwasser in Berührung.
Für zusätzliche Sicherheit sorgt der spezielle Aufbau unserer Bohrlöcher: Sie sind mehrwandig und teleskopartig konstruiert, wodurch die verschiedenen Bodenschichten und das geförderte Wasser zuverlässig voneinander getrennt bleiben.
Bei der Förderung des Tiefenwassers verzichten wir vollständig auf Chemikalien. Lediglich beim Bau des Bohrlochs kommt eine Spülflüssigkeit zum Einsatz, die einmalig Zusatzstoffe enthält und dazu dient, Bohrreste aus dem Loch zu entfernen.
Das Rhein-Neckar-Gebiet bietet zudem ideale geologische Voraussetzungen. Hier fehlt eine Bodenschicht namens Gipskeuper, die an anderen Orten vorkommt und den Stoff Anhydrit enthält. Dieser kann in Verbindung mit Wasser zu Gips werden und zu Bodenhebungen führen. Da diese Schicht in unserer Region nicht vorhanden ist, besteht kein Risiko solcher geologischen Veränderungen.
Trotz dieser sehr guten natürlichen Voraussetzungen setzen wir auf umfassende Überwachungssysteme. Ein Grundwassermonitoring prüft kontinuierlich die Wasserqualität, während ein seismisches Monitoring unwahrscheinliche Bodenbewegungen erfasst. Auch der Bau und Betrieb unserer Anlagen wird laufend kontrolliert.
Beim Bau und Betrieb der Geothermie-Heizwerke stimmen wir uns außerdem eng mit den zuständigen Fach- und Genehmigungsbehörden ab. Sie überprüfen unser Projekt zusätzlich auf die Einhaltung von Umwelt- und Sicherheitsstandards.
Warum ist das hydrothermale Verfahren sicher?
Tiefe Bohrungen sind in Baden-Württemberg weit verbreitet, es gibt über 500 Bohrungen mit Bohrtiefen über 1.000 m. Spürbare seismische Ereignisse im Zusammenhang mit diesen Bohrungen sind nicht bekannt.
Kann beim Bohrvorgang Seismizität in Baden-Württemberg auftreten?
Beim Betrieb von Geothermie-Anlagen mit dem hydrothermalen Verfahren sind spürbare seismische Ereignisse im Oberrheingraben nicht bekannt. Das Verfahren ist somit deutlich sicherer als das petrothermale Verfahren, das in Basel und Vendenheim zu Schäden führte.
Zentral für einen Betrieb ohne seismische Ereignisse ist der Druck bei der Rückführung des Tiefenwassers ins Erdinnere. Die Rückführung stimmen wir eng mit der Bergbaubehörde ab.
Ein Monitoringsystem überprüft den Untergrund kontinuierlich auf unübliche seismische Aktivitäten, sowohl in der Bau- als auch in der Betriebsphase.
Das von EnBW betriebene Geothermie-Heizkraftwerk in Bruchsal dient uns als Blaupause. Dort wurden in einem langjährigen Monitoring keine anlagenbedingten Seismizitäten erfasst. Die Messungen zeigen vielmehr die vom Schwerlastverkehr induzierten Schwingungen des Untergrunds durch die angrenzende Autobahn (A5).
Kann es beim Betrieb geothermischer Anlagen zu induzierter Seismizität kommen?
Nein, in der Region Rhein-Neckar kann es aus mehreren Gründen nicht zu Bodenhebungen durch tiefe Geothermie kommen.
Manche Gesteine können sich verformen, wenn sie mit Wasser in Kontakt kommen. Ein bekanntes Beispiel ist Anhydrit: Trifft es auf Wasser, verwandelt es sich in Gips und dehnt sich dabei aus. Befindet sich Anhydrit jedoch in großen Tiefen, also tiefer als etwa 400 m, kann es sich trotz dieser Umwandlung nicht ausreichend ausdehnen, um Hebungen an der Oberfläche zu verursachen. Das gilt ebenso für andere quellfähige Stoffe wie bestimmte Tonminerale.
Im Rhein-Neckar-Gebiet kommt außerdem kein sogenannter „Gipskeuper“ vor – also keine Schicht, die überhaupt Anhydrit enthält. Bodenhebungen durch Anhydrit können daher ausgeschlossen werden.
Zusätzlich sind unsere geothermischen Bohrungen über teleskopartige, vollständig dichte Verrohrungen gesichert. Dadurch verhindern wir zuverlässig, dass Wasser zwischen verschiedenen Untergrundschichten zirkulieren kann.
Kann es bei tiefer Geothermie zu einer Anhebung des Bodens an der Oberfläche kommen?
Nein, bei hydrothermalen geothermischen Anlagen, wie GeoHardt sie plant, kann kein heißer Wasserdampf austreten. Das Thermalwasser wird an der Oberfläche in einem vollständig geschlossenen Kreislauf geführt. Im laufenden Betrieb kommt es somit nicht zur Bildung und zum Austritt von Dampf.
Eine Ausnahme bilden die Bauphase sowie das Hoch- und Herunterfahren der gesamten Anlage. Hier wird, je nach Bauart des Kraftwerkes, kontrolliert Dampf abgelassen. Das dient dem Druckausgleich: Der Druck des Thermalwassers wird auf den Umgebungsdruck „entspannt“. Dieser Dampfaustritt ist harmlos.
Kann es zu Austritten von heißem Wasserdampf kommen?
Im Oberrheingraben können lokal und in unterschiedlichen geologischen Schichten verschiedene Gase vorhanden sein. In der Regel handelt es sich dabei im geothermischen Reservoirbereich um Kohlendioxid und Stickstoff. In Spuren können auch die Edelgase Helium, Argon und Radon beigemengt sein. In zumeist weniger tiefen geologischen Schichten ist das Vorkommen von Kohlenwasserstoffen bekannt, an denen die Gas- und Ölindustrie besonderes Interesse hat.
Beim Betreiben einer Geothermie-Anlage wird durch einen geschlossenen Betrieb der obertägigen Anlagen mit vollständiger Reinjektion des geförderten Wassers und lange erprobte Sicherheitstechnik ein unkontrollierter Austritt von Gasen vermieden. Während des Baus werden Bohrungen mithilfe eines Blow-out-Preventers abgedichtet.
Bereits in der Planungsphase von Bohrungen und auch während des Anlagenbetriebs sind der zuständigen Behörde vorab alle Maßnahmen zum Umgang mit Gasen detailliert zu beschreiben und zur Genehmigung vorzulegen. Dies geschieht im Rahmen des sogenannten Betriebsplanverfahrens. Die Einhaltung des Betriebsplans wird von den Behörden kontrolliert.
Wie überall in der Luft und im Boden kommt auch hier Radon vor. Unterhalb der zulässigen Grenzwerte ist Radon gesundheitlich unbedenklich. Durch kontinuierliche Messungen stellen wir sicher, dass diese Grenzwerte zu jeder Zeit deutlich unterschritten werden.
Kann es zu Austritten von Gasen kommen?
GeoHardt verwendet das hydrothermale Verfahren. Dabei werden bereits bestehende natürliche Wasservorkommen genutzt. Die Förderung der umweltfreundlichen und erneuerbaren Erdwärme kommt deshalb ohne zusätzliche Wasserzufuhr aus.
Bei der Bohrung fallen Gesteinsreste an. Dieses sogenannte „Bohrklein“ wird mithilfe von Spülungen aus den Bohrlöchern ausgebracht. Die Spülungen enthalten ausschließlich umweltgerechte Stoffe und werden – sofern notwendig – fachgerecht entsorgt.
Werden Chemikalien beim Bau oder Betrieb von Geothermie-Anlagen eingesetzt?
Nein, geothermische Anlagen verursachen keine Form der Radioaktivität, die eine Gefahr für Mensch und Umwelt wäre.
Wie die Luft, der Boden und das Grundwasser enthält auch Thermalwasser Spuren radioaktiver Elemente. Im Oberrheingebiet handelt es sich hierbei um Kalium und Blei sowie Radon und Radium. Diese Stoffe kommen überall in der Umwelt vor. Zum Beispiel in Kellerräumen und auch im Trinkwasser. Unterhalb der zulässigen Höchstwerte sind sie für den Menschen unbedenklich.
Die Sicherheit von Mensch und Umwelt hat für uns oberste Priorität. Deshalb ergreifen wir trotzdem Sicherheitsmaßnahmen: Durch kontinuierliche Überwachung und Messungen gewährleisten wir, dass das von uns verwendete Thermalwasser die gesetzlichen Grenzwerte zu jeder Zeit deutlich unterschreitet.
Zudem führen wir das Thermalwasser in vollständig geschlossenen Kreisläufen. Eine Gefahr für unsere Mitarbeitenden, das Umfeld und die Menschen in der Umgebung ist nicht gegeben.
Verursachen geothermische Anlagen Radioaktivität?
Nein. Um die Sicherheit des Trinkwassers zu gewährleisten, halten wir uns eng an das umfangreiche und seit vielen Jahren existierende Regelwerk zum Schutz des Grundwassers bei Tiefbohrungen. Dabei setzen wir ausschließlich auf Stoffe, die auch für den Brunnenbau zugelassen sind.
Dabei können wir uns auch auf unsere Erfahrung stützen: Unsere Partner MVV und EnBW sind langjährige und verantwortungsbewusste Wasserversorger. Darüber hinaus haben wir mit dem regionalen Zweckverband Wasserversorger Kurpfalz auch einen externen Partner eingeladen, der das Projekt als Mitglied unseres Fachbeirats begleitet.
Gibt es Wechselwirkungen zwischen geothermischen Anlagen und dem Grundwasser?
Nein. Durch die unterirdische Förderung entstehen keine Geräusch- oder Infraschallemissionen im Betrieb. Die Geräuschemissionen der oberirdischen Anlagen müssen die gesetzlichen Grenzwerte einhalten.
Verursachen geothermische Anlagen Lärm?
Die Gewinnung von Lithium befindet sich noch im Forschungsstadium und ist aktuell nicht geplant.
Auf der deutschen Seite des Oberrheintals konzentrieren sich die Forschungen der EnBW zur Lithiumproduktion auf die Geothermie-Anlage in Bruchsal. In der Region Hardt ist aktuell nichts Vergleichbares geplant, es soll aber das Potential untersucht werden. Die hierzu im Bergrecht verankerte Genehmigung wurde daher für das Gebiet zusammen mit der Nutzung von Erdwärme beantragt.
Ist die Produktion von Lithium geplant?
Fragen zum Bau eines Geothermie-Heizwerks
Mindestens zwei: eine Förderbohrung und eine Injektionsbohrung für die Rückführung des abgekühlten Thermalwassers.
Wie viele Bohrungen sind nötig?
In der Regel werden beide Bohrungen von demselben Bohrplatz aus vorgenommen. Die Bohrungen verlaufen schräg und liegen im Untergrund auseinander. Dafür gibt es verschiedene technische Optionen.
In Soultz-sous-Forets gibt es zum Beispiel vier Bohrungen, die 5.000 m tief sind und im unterirdischen Wasserreservoir 600 m voneinander entfernt sind. Das ist ausreichend, damit das erkaltete Wasser nicht direkt wieder gefördert wird, sondern sich aufwärmen kann.
In Bruchsal hingegen sind die Bohrungen von zwei verschiedenen Standorten gebohrt worden, die 1,5 km auseinander lagen. EnBW hat 2009 einen Farbstoff in die Injektionsbohrungen eingespeist, um zu prüfen, wann das Wasser wieder in der Produktionsbohrung ankommt. Nach 1,5 Jahren konnte der erste Farbstoff festgestellt werden, insgesamt wurden aber nur drei Prozent zurückgewonnen.
Das bedeutet, dass die große Wassermenge sich im geothermisch genutzten Volumen verteilt hat und nur ein kleiner Teil des Wassers, das wir injiziert haben, tatsächlich zur Produktionsbohrung zurückgekommen ist. Abstände von 600 und 1.500 m sind folglich im Reservoir ausreichend.
Wie werden die zwei Bohrungen umgesetzt?
Sobald die Standortsuche abgeschlossen ist und ein geeigneter Standort für das Heizwerk und das Bohrziel identifiziert wurde, beginnt die Planung des Bohrplatzes und der ersten Bohrung. Bestandteil der Planung sind die Detailplanung des Bohrpfads, das Bohrlochdesign und die Bohrablaufplanung. Außerdem werden unterschiedliche Genehmigungen eingeholt.
Sobald die Planung abgeschlossen ist und alle Genehmigungen vorliegen, kann der Bohrplatzbau beginnen und das Bohrwerkzeug aufgebaut werden. Anschließend wird die Bohrung abgeteuft und getestet. Anhand der Testergebnisse wird das Untergrundmodell für die zweite Bohrung aktualisiert. Die Aktualisierung kann teilweise schon während der Bohrarbeiten erfolgen. Die zweite Bohrung erfolgt im Anschluss. Nachdem beide Bohrungen abgeschlossen sind, werden weitere Tests durchgeführt und die Leistungsdaten für die Planung des Heizwerks ermittelt.
Wie läuft die Bohrphase ab?
Beim Bohren wird aus verschiedenen Gründen eine Spülung eingesetzt, etwa zum Abtransport des Bohrkleins, dem bei der Bohrung anfallenden Gestein, an die Erdoberfläche. Sie besteht überwiegend aus Wasser, dem verschiedene Stoffe zugegeben werden. Die genaue Zusammensetzung ist der Aufsichtsbehörde vor dem Einsatz zur Genehmigung vorzulegen und während der Bohrarbeiten in engen Zeitintervallen immer wieder zu kontrollieren. Insgesamt fasst ein Bohrloch von 4.000 m Tiefe einige hundert Kubikmeter Bohrspülung. Nach Abschluss der Bohrarbeiten wird sie im Labor auf etwaige Verunreinigungen geprüft und in enger Abstimmung mit den Behörden fachgerecht entsorgt.